Dienstag, 20. August 2013

[Rezension] Matt Ruff - Ich und die anderen



Für den fünfjährigen Jake Honigpops, für Tante Sam Kräutertee und für Seferis gesalzene Radieschen: Es ist gar nicht so leicht, jeden Morgen die Bedürfnisse aller Hausbewohner zu befriedigen. Aber eigentlich hat Andrew Gage sich und seine »anderen« ganz gut im Griff. Andrew hat eine Multiple Persönlichkeitsstörung; mit Unterstützung einer engagierten Psychologin hat er es jedoch geschafft, für die vielen Ich-Abspaltungen in seinem Kopf ein imaginäres Haus zu konstruieren. 



Eine strenge Hausordnung ist der Garant dafür, daß Andrew sich im wirklichen Leben behaupten kann. Doch die Grundmauern des Geisterhauses beginnen stark zu wackeln, als Andrews Chefin Julie, Gründerin einer Firma, die sich mit virtueller Realität befaßt, die junge Penny Driver einstellt. Denn Penny ist ebenfalls multipel – nur weiß sie das noch nicht. Ob die nymphomane Loins, die lauthals fluchende Maledicta oder die gewalttätige Malefica: Wann immer eine ihrer verschiedenen »Seelen« die Herrschaft über Leib und Geist gewinnt, kommt es zu einem Blackout. 



Julie glaubt, daß Andrew Penny helfen könnte, doch allzu schnell läuft die Situation aus dem Ruder und Andrews filigranes Seelengefüge droht ebenfalls aus dem Gleichgewicht zu geraten. Den beiden bleibt nur eins: Sie müssen sich dem dunkelsten Kapitel ihres Lebens stellen. So finden sich Penny und Andrew – inklusive einem Dutzend Seelen auf dem Rücksitz – auf einem irrwitzigen Roadtrip quer durch Amerika wieder, der sie mit ihren traumatischen Kindheitserlebnissen konfrontiert. Und plötzlich steht die Frage im Raum, ob Andrew in seiner Vergangenheit einen Mord begangen haben könnte …


Rezension:

Andrew Gage ist ein ganz einfacher Mensch, der schläft, arbeitet, lacht, weint und all die anderen Dinge tut, die wir tun. Aber während er dies tut, ist er "mehrere". Andrew ist multipel. 
Matt Ruff schickt uns auf eine Reise in die Psyche des Hauptcharakters Andrew; auch Andy, Adam, Sam, Jake, Seferis oder Gideon (um nur ein paar Namen zu nennen) genannt und gibt uns detaillierte Einblicke in das Handeln und Wirken von Andrew und seiner "Haus"bewohner. Wir begleiten Andrew in seinem täglichen Leben und erleben mit ihm all die spannenden Abenteuer, als wären wir ebenfalls eine Seele in ihm. 
In seiner Geschichte wohnt Andrew bei Mrs. Winslow, einer höflichen, angenehmen alten Dame, tritt jeden Tag seine Arbeit in der Reality Factory an, lernt dort Julie und Penny kennen und begibt sich auf die Spuren seiner Vergangenheit. Während der Vergangenheitsbewältigung begleitet ihn Penny, die selbst so einige Lasten "in sich" zu tragen hat und auch sie wird ein lieb gewonnener Charakter in Matt Ruffs "Ich und die anderen". 

Matt Ruff schafft es, einem mit jedem einzelnen Charakter in den Bann zu ziehen. Man fühlt Schmerz, Leid und Liebe mit und hat das Gefühl, live mit dabei zu sein. Die Erzählweise von Ruff ist einfach und verständlich. Manchmal hält sich Herr Ruff zu lange an Einzelheiten auf, aber im Gesamten gesehen, schafft er es, den richtigen Bogen zu spannen. Wer viel Action und Spannung erwartet, ist hierbei allerdings an der falschen Adresse. Aber: Es muss eben auch nicht immer spannend sein, um unterhaltsam zu sein - wie Matt Ruff uns zeigt.

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