Mittwoch, 17. September 2014

[Rezension] Markus Heitz - Exkarnation, Krieg der alten Seelen

"Sie rutschte über die Haube und die Scheibe hinauf, drehte sich dabei unkontrolliert, sah mal den Himmel, mal das Glas, mal die kleinen Wölkchen, dann die toten Fliegen. Sie glaubte, den Geruch verrottender Chitinpanzer wahrzunehmen."
Ein Wagen rast unvermittelt auf sie zu und überrollt sie. Claire stirbt an Ort und Stelle, obwohl sie ihrem Mann noch helfen wollte, der vor ihren Augen bei einem ­Überfall erschossen wird – doch ihre Seele verlässt die Erde nicht. Beherrscht von dem Wunsch, den Mörder zur Rechenschaft zu ziehen, fährt sie in den Leib der Selbstmörderin Lene von Bechstein. Doch Lenes ­Körper war eigentlich für jemand anderen vorgesehen, und Claire gerät mitten hinein in einen uralten Krieg.


Eigene Inhaltswiedergabe


Claire und ihr Mann Finn werden bei einem Überfall getötet. Doch Claire möchte den Mörder finden und partout nicht sterben und plötzlich tritt ihre Seele in einen anderen Körper ein. Dieser Körper gehört Marlene von Bechstein, der Inhaberin der Kosmetikfirma "Von Bechstein Laboratories" (VoBeLa), die sich gerade das Leben genommen hat. Allerdings wurde Marlene wiederbelebt und die Sanitäter sprechen Claire mit "hera" und dem Namen Anastasia an. 
Damit gerät Claire in einen Strudel aus Intrigen und bösen Machenschaften. Sie befindet sich inmitten von uralten Seelenwanderern und kommt dabei einem dunklen Geheimnis auf die Spur.


Das Cover


Das Cover hat mich von Anfang an angesprochen. Eine Hand liegt über einem teilweise zerstörten Schädel, als würde sie die Kraft aus ihm saugen wollen. Der Titel und der Autor sind in abgesetzten Lettern gedruckt. Der Hintergrund ist schwarz mit verblichenen Stellen als wäre das Buch bereits besonders alt und verwaschen. Der Deckel und der Rücken sind noch einmal aufklappbar und darin ist eine metallene Uhr sowie ein Skorpion, eingefasst in Bernstein, sichtbar.
Das Cover besitzt eine tolle Aussagekraft und auch der Bernstein hat im Buch seine Bedeutung.


Die Story


Puh, wo fange ich an? Die Geschichte ist seeehr komplex und Herr Heitz muss sich immens viele Gedanken um den ganzen Inhalt gemacht haben. Es geht hier nämlich nicht nur um alte Seelen, die als Seelenwanderer auf der Erde weilen, sondern auch um die Organisation "libra", die sich um alle übernatürlichen Wesen kümmert und versucht die Urmasse der Seelen zu schützen. Teilweise laufen die Handlungsstränge zusammen, um sich dann doch wieder abzusplitten. Man weiß nur: Irgendwie ist alles ein großes Ganzes und hat somit einen tieferen Sinn. Es ist allerdings schwer zu fassen.
Man erhält als Leser viele Informationen, die in ein 600-seitiges Buch gepresst sind. Ja, ich sage bei der Seitenzahl zurecht gepresst, denn hieraus hätte Herr Heitz getrost zwei Bücher machen und, meiner Meinung nach, dafür einige Zusammenhänge expliziter erklären können.


Die Charaktere


Wir treffen in diesem Buch auf sehr viele Charaktere, bei denen man schon aufpassen muss, dass man sich alle merkt.
Vorneweg ist natürlich Claire Riordan, die im Körper von Marlene von Bechstein feststeckt. Sie ist eine starke Frau und nach anfänglichen Eingewöhnungsproblemen findet sie sich auch in ihr Schicksal ein und kämpft für das Richtige. Unterstützt wird sie von Fabian, der ebenfalls ein Seelenwanderer ist. Er kümmert sich um Claire und schützt sie, wo er nur kann.
Parallel verläuft die Geschichte von Eric. Eric ist ein Wandelwesen. Halb Mensch, halb Dämon. Und er jagt andere Wandelwesen, um die Menschen zu schützen. Schnell macht er Bekanntschaft mit "libra", die zwar auch die Menschheit vor diesen Wesen schützen wollen; sie aber nicht töten, sondern sammeln. Um "libra" zu bekämpfen, begibt er sich mitten in die Höhle des Löwen.
Es gibt noch viele weitere kleinere und größere Rollen; ich habe hier aber nur die für mich Wichtigsten genannt.
Identifizieren sollte sich der Leser vermutlich mit Claire, die mir aber wie alle anderen Charaktere, sehr fern blieb. Über so viele Seiten (knapp über 600) tat sich da gar nichts bei mir. Das finde ich sehr schade. Markus Heitz bringt keine Tiefe in die Charaktere hinein; sie besitzen keine klaren Charakterzüge. Sympathisch war mir eigentlich nur Eric, der zwar auch keine Tiefe hatte, aber mich wegen seiner rebellischen Art an Handyman Jack erinnerte. :-)


Der Schreibstil


Eines muss man Markus Heitz lassen: Er hat einen tollen Schreibstil und kann damit die Wörter bildlich vor die Augen des Lesers projizieren.


Das Ende


Am Ende kommt alles Knall auf Fall. Die einzelnen Zusammenhänge werden dem Leser plötzlich hingeworfen, wie eine Zeitung vor die Füße. Als hätte Herr Heitz plötzlich erkannt, dass das Buch ja schon viel zu lang ist und man schnell noch alles erklären müsse. Man erkennt, versteht vage und... plötzlich endet das Buch. Einfach so. Es wird wohl noch einen zweiten Teil geben, aber dennoch endete mir der erste Teil zu offen. Natürlich soll das Ende eines ersten Teils neugierig auf den Zweiten machen, aber ich hatte hier eher das Gefühl, dass die letzten entscheidenden Seiten herausgerissen wurden. Es sind somit leider keine Cliffhanger, sondern Vor-Cliffhanger. 


Fazit


Ein sehr spannendes und einzigartiges Thema mit, leider, unzugänglichen Charakteren und zu vielen Informationen, die sich in diesem Buch den Platz streitig machen.

Vielen Dank an Vorablesen für das Rezensionsexemplar.





Kommentare:

  1. Ehrlich gesagt klingt das Buch für mich nach weniger als 4 Sternen! Blasse Charaktere, unbefriedigendes Ende, zuviele Infos... Schade, das Thema klang so gut!

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    1. Hallo Mikka,

      ja, wenn man die Rezi so liest, würde man wirklich nicht denken, dass das Buch 4 Sterne verdient. Komischerweise fühlt es sich aber in diesem Fall nach 4 Sternen an, aber richtig erklären kann ich es nicht. Es ist nur ein Gefühl. :-) Ich glaube, es ist die Story, die durchaus sehr spannend und einzigartig ist und die mich diese Bewertung geben ließ.

      LG Litis

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