Mittwoch, 19. November 2014

[Rezension] Max Barry - Lexicon

"Plath zwängte die Füße zurück in die verstümmelten Louboutins. "Lächerlich, diese Dinger." Yeats beschloss, Plath zu besuchen, wenn sie das hier hinter sich hatten und zurück in der Sicherheit des Hotels waren. Er würde in ihr Zimmer gehen, sie sanft wecken und sie dazu bringen, ihre Schuhe zu ficken. Genau dieses Paar."

Wil Parke ist ein einfacher Zimmermann. Oder zumindest glaubt er das. Bis er auf einer Flughafentoilette in Portland von zwei Männern angegriffen wird. Sie behaupten, er sei der Schlüssel in einem geheimen Krieg, ein »Ausreißer«, immun gegen die Kraft der Worte. Sie zwingen ihn mitzukommen in die Geisterstadt Broken Hill, deren gesamte Bevölkerung bei einem Chemieunfall vor zwei Jahren ausgelöscht wurde. Dort soll ein mächtiges Artefakt verborgen liegen, das den Krieg ein für alle Mal beenden könnte. Doch der Feind ist ihnen bereits auf den Fersen ...


Eigene Inhaltswiedergabe

Wil Parke weiß noch nicht, dass sich sein bisheriges Leben schlagartig ändern wird, als er auf der Flughafen-Toilette von zwei Männern aufgegriffen wird, die merkwürdige Dinge mit ihm anstellen. Sie versuchen herauszufinden, ob er DER EINE ist, dabei weiß Wil absolut nicht, wovon die Männer reden. Eine Flucht ist zwecklos; ab da an ist nichts mehr wie es vorher war und eine Verfolgungsjagd beginnt. Doch nicht er ist der Verfolger, sondern eine Organisation hat es auf ihn abgesehen, die ihn unerbittlich jagt. Bis er seiner Vergangenheit selbst ins Auge blicken muss...


Das Cover

Von außen ist das Cover recht schlicht gehalten. Der Autorenname und der Titel heben sich optisch vom Buchcover ab und sind ansonsten recht einfach gestaltet. Als Leser des Titels weiß man, dass der Titel "Lexicon" heißt, obwohl das "O" nur ganz klein zwischen dem C versteckt ist. Hier erkennt der Betrachter bereits die Macht der Worte, um die es in diesem Roman gehen wird. Im Hintergrund erkennt man unbekannte Schriftzeichen.
Klappt man den Buchdeckel und -rücken auf, befindet sich darin noch eine Abbildung eines Zaunes mit dem Warnhinweis "Sperrgebiet Broken Hill" und einem Totenkopfsymbol daran. Dieses Bild wirkt verheißungsvoll und gruselig zugleich und macht neugierig.


Die Story

In diesem Thriller geht es um die Macht der Worte und eine Organisation, die damit umzugehen weiß. Diese Organisation verwendet Worte als Mittel, um andere Menschen zu infiltrieren und sie gefügig zu machen. Dabei sind dies keine uns bekannten Worte, sondern es ist eine, für den normalen Betrachter, willkürliche Anordnung von Buchstaben.
Das Thema finde ich sehr spannend und auch beängstigend zugleich. Nicht ohne Grund habe ich daher zu diesem Buch gegriffen. Die Idee dahinter ist wirklich gut erdacht und ausgearbeitet. Sie ist außerdem sehr komplex und als Leser muss man ab und an das Bisherige Revue passieren lassen, um die Zusammenhänge zu begreifen. Ich bin der Meinung, das dies ein Buch ist, das man eigentlich noch ein weiteres Mal lesen muss, um alles zu verstehen. Denn erst im letzten Drittel fällt es einem wie Schuppen von den Augen, während der Rest des Buches schon an einem vorbei gezogen ist.


Die Charaktere

Einer der Hauptcharaktere ist Wil Parke. Er wird von zwei Männern aufgegriffen, die der Meinung sind, dass er derjenige welche ist, nach dem sie suchen. Wil versteht natürlich nur Bahnhof. Doch als die ersten Menschen, unter anderem einer der beiden Männer, sterben, weiß er, dass irgendetwas so gar nicht stimmt und dass er Tom, seinem Kidnapper, wohl oder übel vertrauen muss. Er versteht, dass es eine Organisation auf ihn abgesehen hat, deren Mitglieder sich die Dichter nennen. Für Tom ist es äußerst wichtig, dass Wil sich an seine Vergangenheit erinnert, damit er etwas Schreckliches abwenden kann. Wil hat damit aber seine Probleme, denn ihm ist nicht bewusst, dass er etwas aus seinem früheren Leben verdrängt.

Die zweite Hauptperson ist Emily Ruff. Sie lebt anfangs auf der Straße und verdient sich mit Taschenspieler-Tricks ihr Geld. Dann wird sie von einer Organisation "gefunden", die Emily in eine Art Elite-Schule einlädt. Sie schummelt im Eignungstest und kann an der Schule bleiben. Dort erhält sie neben Essen und einem Schlafplatz auch Unterricht in ihr bisher unbekannten Fächern. Sie erlernt die Bedeutung und Macht der Worte. Da Emily aber schon immer Probleme mit dem Anpassen hatte, gerät sie schnell in Schwierigkeiten.


Der Schreibstil

Max Barry springt in seinem Thriller häufig von einer Zeitebene in die nächste, ohne das Kapitel zu wechseln. Die Sprünge sind nur durch Absätze voneinander getrennt und müssen dem Leser erst bewusst werden. Am Anfang fiel dies noch leicht und es führte zu den ersten Erkenntnissen. Zum Ende konnte man den verschiedenen Zeitebenen gerade noch so folgen und man musste sich stark konzentrieren. Es fügt sich letztendlich aber alles logisch zusammen. Respekt hierfür. 
Der Erzählstil ist für mich leider nicht zu 100% flüssig. Zum Einen liegt das natürlich an den Zeitsprüngen und irgendwie stolperte ich häufig beim Satzbau von Herrn Barry.
Zwischen den einzelnen Kapiteln fügt der Autor Zeitungsartikel oder Beiträge aus Internet-Foren ein und untermalt damit wunderbar das Geschehene. Dieses Erzähl-Element hat mir gut gefallen.


Das Ende

Für mich hätte das Ende auf das letzte Kapitel verzichten können. So hat es mich leider eher verwirrt und enttäuscht. Zumindest beim Enttäuschungsfaktor stehe ich vermutlich mit meiner Meinung allein da. :) Für diesen Thriller hätte für mich das Ende ohne das letzte Kapitel einfach besser gepasst. 


Fazit

Ein interessantes und zugleich beängstigendes Thema mit spannenden Wendungen und einem für mich verwirrenden und enttäuschenden Ende.


Hier kaufen: Lexicon: Roman  



Kommentare:

  1. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, ich glaube, ich war da weniger kritisch. Schöne Rezi
    LG walli :-)

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    1. Hallo Walli,

      das Problem war nur, dass ich das Ende nicht verstanden habe. Das passte mit meinem Verständnis nicht zusammen. Vielleicht kannst du mir da ja helfen. Ich will ja hier nicht spoilern. *g*

      LG Steffi

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