Dienstag, 21. April 2015

[Rezension] Betty MacDonald - Das Ei und ich

"Und oft kam im Augenblick, da wir uns zu Tisch setzten, wie auf ein verabredetes Zeichen die Sonne hervor. Zwar schien sie nicht sehr glutvoll, sondern mit der scheuen Zurückhaltung einer alten Jungfer, und sie huschte auch immer wieder hinter die Wolken, um nach ihrem Strickzeug zu suchen, und steckte dann mit einem um Entschuldigung bittenden Lächeln den Kopf heraus,..."

Diese Memoiren erzählen mit viel Humor vom Leben und den Abenteuern der Autorin auf einer Hühnerfarm im amerikanischen Nordwesten der Prohibitionszeit, die sie in den Jahren von 1928 bis 1930 mit ihrem ersten Ehemann bewirtschaftete. Wer allerdings glaubt, in diesem außergewöhnlichen Erinnerungsbuch eine romantisierende Verklärung des einfachen Lebens auf dem Lande zu finden, irrt sich gründlich, denn MacDonald schildert mit viel Ironie und zuweilen auch einer tüchtigen Portion Sarkasmus die Härten des Farmalltags in der Wildnis, der morgens um vier beginnt und abends um neun erst endet und während dessen sie mehrmals fliegend die Rollen wechselt: Farmerin, Ehefrau, werdende Mutter.



Auf dem Cover befinden sich Huhn, Gans, Schwein, Küken und Schaf - ganz so, wie man es sich auf einem Bauernhof vorstellen würde. Im Hintergrund links erkennt man sogar eben jenen. Am Himmel lacht die Sonne, als könne nichts das beschauliche Farm-Leben stören. Ein niedliches Cover und für die Leser des Buches mit einem gewissen Augenzwinkern.



Frau MacDonald erzählt autobiografisch ausführlichst davon, wie ihr das Leben auf einer Hühnerfarm schmeckt. 
Kurz eingeleitet wird das Buch durch Erzählungen aus ihrer Kindheit. Als sie aber ihren zukünftigen Mann Bob kennen lernt, beginnt die eigentliche Geschichte, mit der Betty den Leser erheitern möchte.
Sie schildert umschweifend die Erlebnisse, die sie mit ihrem neuen Haus und Hof hat und lässt auch manchmal, teilweise zur enervierenden Beanspruchung des Lesers, keine Einzelheit aus.



Die wichtigste Person ist natürlich Betty. Wohlbehütet zwischen einer schrulligen Oma und vielen Geschwistern aufgewachsen, landet sie nach der Heirat auf einer Farm. Ihre Mutter hat ihr zur Genüge eingebläut, dass eine Frau ihrem Manne folgen müsse, egal, wohin die Reise geht. Gesagt, getan. Da ist Betty nun mit ihrem neuen Heim und muss sich als Putzfrau, Tierpflegerin, Ehefrau und Mutter behaupten. Gar nicht so leicht neben dem perfektionistischen und ehrgeizigen Bob, ihrem Ehemann. Bob macht Betty oftmals das Leben schwer und sehr häufig tat sie mir einfach nur Leid. Auch, wenn sie ihre Erlebnisse mit ihm mit einem gewissen Witz beschreibt, fragte ich mich stellenweise, ob sie sich wirklich liebten und was Betty dazu bewegte, auf dem Hof und bei diesem Mann zu bleiben. Herumgeschubst und bevormundet; nur harte Arbeit Tag für Tag, ohne jeglichen Dank oder etwas Anerkennung. Auf den vielen Seiten wurde mir einfach nicht klar, warum Betty so lange durchgehalten hat. Vielleicht fühlte sie sich ja doch ganz wohl zwischen Hühnern, Küken, Schweinen und ihrem Herd und wollte es einfach nicht zugeben. ;-)



Die Autorin erzählt sehr umschweifend und ausführlich, mit langen, verschachtelten Sätzen. Stellenweise musste ich den ein oder anderen Satz nochmals lesen. Man muss hier als Leser konzentriert am Ball bleiben. Wenn die Gedanken nur ein wenig abschweifen, hat man den Salat und muss den Absatz von vorn beginnen. So zogen sich natürlich die Wörter, Sätze, Seiten und Kapitel etwas in die Länge und wegen der zusätzlich sehr kleinen Schrift brauchte ich mitunter etwas länger mit dem Lesen.
Meiner Meinung nach hätte Frau MacDonald gern etwas an Inhalt streichen können, denn so einiges war überaus langatmig und zu detailliert - aber, das muss man dazu sagen: es ist natürlich autobiografisch.
Zwischen verschachtelten Sätzen, ausführlichen Erklärungen über Hof und Leute konnte mich die Autorin aber mit gut platziertem Witz nett unterhalten und mir einige Schmunzler entlocken.



Dieses Buch endet damit, dass Bob eine neue Hühnerfarm bei Seattle findet und sie planen, dorthin umzusiedeln . Für Betty gibt es große Aussichten auf eine bessere Zukunft, da der Hof viel moderner eingerichtet ist. Aber es ist zu vermuten, dass sich insgesamt nicht viel ändern wird. Arme Betty. ;-)



Mit Witz und Ironie versucht die Autorin hier ihr Hühnerfarm-Leben zu beschreiben. Dies gelingt ihr nur bedingt, denn als Leser spürt man, dass hinter der Fassade der Ironie leise Verbitterung sitzt. Auch die umschweifenden Erklärungen von Frau MacDonald verbessern die Situation nicht. Dennoch: nette Unterhaltung, arme Autorin.
3 1/2 von 5 Isis


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