Freitag, 29. Mai 2015

[Rezension] Carrie Ryan - Der Wald der tausend Augen

"Es ist wie bei diesem Spiel, das wir als Kinder in der Schule gespielt haben. Da sitzen alle im Kreis und ein Kind flüstert dem nächsten einen Satz ins Ohr, der reihum weitergegeben wird, bis das letzte Kind im Kreis laut aussprechen darf, was es gehört hat, nur um festzustellen, dass es überhaupt nicht das ist, was es sein sollte. So ist jetzt unser Leben." Zitat Seite 42-43

Wenn Mary träumt, dann von dem großen salzigen Meer, von dem ihre Mutter immer sprach. Denn nur wer einmal das Meer gesehen hat, weiß, was wahre Freiheit ist. Doch das Meer, die Freiheit oder andere Menschen gibt es nicht - nicht für Mary, die nach dem Tod der Eltern der strengen Schwesternschaft des Dorfes dienen muss, und auch nicht für die wenigen übrigen Dorfbewohner. Sie alle sind die letzten Überlebenden einer Katastrophe und nur ein hoher Zaun schützt sie vor den Ungeweihten, deren Zuhause der undurchdringliche alles umgebende Wald ist. Als Unfassbare passiert und der Zaun bricht, stürmen die Ungeweihten das Dorf. Inmitten des Chaos gelingt Mary und ihren Freunden die Flucht, und die so heiß ersehnte Freiheit scheint plötzlich zum Greifen nahe. Doch zwischen Mary und dem Meer liegt der gefährliche Wald, und so beginnt für die letzten Menschen auf Erden der Kampf ums Überleben ...



Das Cover zeigt ein Mädchen, das durch Zweige hindurch auf den Betrachter oder eher auf etwas hinter dem Betrachter blickt. Das Mädchen, vermutlich Mary, befindet sich offensichtlich in einem Wald, dem "Wald der tausend Augen", um den es unter anderem in diesem Buch geht.
Das Cover zeigt nicht viel, außer dem Gesicht und den Zweigen, aber es spiegelt dennoch sehr gut die Geschichte wieder.



Die Welt wurde überrannt von lebenden Toten - den Ungeweihten, wie sie sie nennen. Nichts ist mehr wie früher. Ein kleines Dorf, umrahmt von einem Wald und nur durch einen Maschendrahtzaun von den Untoten getrennt, hat sich das Leben erhalten und versucht, eben jenes weiterzuführen. Angeführt durch die herrische Hand einer gottesfürchtigen Schwesternschaft gibt es klare Regeln und Grenzen. Doch eine Jugendliche will nicht glauben, dass das Dorf alles ist, was auf dieser Welt noch existiert. Sie hat die Hoffnung, dass da draußen, außerhalb der Zäune, noch mehr ist.
Der Leser wird in diesem Buch nicht nur mit einer Zombie-Geschichte konfrontiert, sondern auch mit einer rebellischen Jugendlichen, die sich von all den anderen Überlebenden unterscheidet, weil sie nicht an das eingeschränkte Leben, eingesperrt zwischen Zombies und Zäunen, glaubt.
Wer in diesem Roman nach Gemetzel und Blutvergießen sucht, wird enttäuscht. Tod und Verderben sind hier gepaart mit tiefgreifenden Gefühlen und Gedanken und machen diesen Endzeit-Roman zu etwas Besonderem. Die Autorin versteht es prima, sämtliche Gefühle schmerzlich authentisch zu transportieren.



Mary ist nicht wie die anderen. Sie kann sich nicht vorstellen, in ihrem Dorf alt zu werden und zu sterben, ohne jemals außerhalb der Zäune gewesen zu sein, ohne jemals das Meer gesehen zu haben, von dem ihr ihre Mutter immer erzählt hat. Sie hegt verbotene Gedanken und sehnt sich danach, außerhalb des Dorfes nach ihrem Schicksal zu suchen.
Mary ist eine emotionale, aber auch selbstbewusste junge Frau, die ihre Ziele klar vor Augen hat und darin auf einem schmalen Grad zur Selbstbezogenheit wandert.
Sie ist unsterblich verliebt, aber ihre Liebe steht unter einem ungünstigen Stern, da sie bereits von einem anderem Mann erwählt wurde. Entweder lässt sie sich auf eine Ehe mit diesem Mann ein oder sie schließt sich der Schwesternschaft des Dorfes an. Gerade, als sie sich mit ihrem Schicksal arrangiert hat, wird ihr Dorf von den Ungeweihten überrannt. Ihre große Liebe Travis ist von nun mit ihr und weiteren Dorfbewohnern auf der Flucht. Bis zum Schluss fällt es ihr schwer, sich zwischen der Liebe und dem Meer zu entscheiden. Zu stark ist ihr Drang nach Freiheit, die sie längst, nun ohne die Fesseln des Dorfes, hat.



Das Buch ist aus der Perspektive von Mary geschrieben. Die Sätze sind zumeist verschachtelt, aber gut zu verstehen. Die Autorin hat eine detaillierte bildliche Schreibweise, die es dem Leser erleichtert, sich die Umgebung und die Geschehnisse besser vorzustellen. Das schafft Nähe zum Inhalt.



Die Entwicklungen zum Ende sind erschütternd und mir standen die Tränen in den Augen. Man hat die ganze Zeit über mit Mary mitgefühlt und ihre Entwicklung beobachtet, hat sich gewünscht, dass alles sich zum Guten wendet. Aber eigentlich wusste man, tief in sich verborgen, dass es zwischen all dem Tod und der Verderbnis kein wirkliches Happy End geben kann. Denn die Ungeweihten sterben nicht...



Ein erschütterndes Endzeit-Szenario, nicht allein nur wegen den Untoten, die stetig umherwandeln, sondern auch wegen der unglaublich tiefgreifenden Entwicklung der Hauptprotagonistin und den schmerzlichen Gefühlen, denen man als Leser ausgesetzt ist und die man kaum in Worte fassen kann.
5 von 5 Isis'


1. Der Wald der tausend Augen
2. Das Meer der tausend Seelen
3. The Dark and Hollow Places (noch ohne dt. Titel)

Hier kaufen: The Forest - Wald der tausend Augen



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