Donnerstag, 16. Juli 2015

[Rezension] Alexandra Bracken - Die Überlebenden

"Soweit ich wusste, war man fein raus, wenn man älter als dreizehn gewesen war, als sie angefangen hatten, die Kids zusammenzutreiben - man durfte auf dem Brettspiel des Lebens Freakland links liegen lassen und geradewegs nach Normalistan reisen." Zitat Seite 52

Ruby hat überlebt. Doch der Preis dafür war hoch. Sie hat alles verloren: Freunde, Familie, ihr ganzes Leben. Weil sie das Virus überlebt hat. Weil sie nun eine Fähigkeit besitzt, die sie zur Bedrohung werden lässt, zu einer Gefahr für die Menschheit. Denn sie kann die Gedanken anderer beeinflussen. Deshalb wurde sie in ein Lager gebracht mit vielen anderen Überlebenden. Deshalb soll sie getötet werden. Aber Ruby hat nicht überlebt, um zu sterben. Sie wird kämpfen, schließlich hat sie nichts zu verlieren. Noch nicht ...



Auf dem Cover sieht man eine Frau, die am Eingang eines Tunnels steht und durch den hellen Schein der Außenwelt beleuchtet wird. Es ist anzunehmen, dass diese Frau Ruby sein soll. Eine direkte Verbindung zu einem Tunnel gibt es in dem Roman nicht. Indirekt könnte man es aber so deuten, dass sich Ruby in einer dunklen Enge fühlt, sobald Sie mit ihren Fähigkeiten konfrontiert wird und sich einen Lichtblick am Horizont wünscht. Das ist eine Deutungsmöglichkeit, aber nichts Konkretes, von daher ist die Cover-Aufgabe "Parallele: Buch-Cover" gescheitert. ;-)



Das Buch ist sehr schwer einem bestimmten Genre zuzuordnen. Die Thematik ist eine Mischung aus Dystopie und Fantasy mit leichten Anklängen von Horror. Obwohl mich diese Zuordnung dennoch nicht zufrieden stellt. Es ist wirklich schwer zu definieren.
In diesem Roman entwickeln die Kinder in der Regel zwischen 10 und 12 Jahren Fähigkeiten. Sie können z.B. Gegenstände bewegen, die Elektrizität oder Gedanken anderer beeinflussen. Aber in dieser Geschichte ist es nicht positiv, interessant und faszinierend, diese Fähigkeiten zu haben, sondern beängstigend und böse. Und da die Erwachsenen dieser Entwicklung nicht gewachsen sind, versuchen sie sich die Kinder vom Leib zu halten. Sie werden in Lager gesperrt, in denen sie rund um die Uhr bewacht und in Farben, je nach Gefährlichkeitsgrad und Fähigkeit, eingestuft werden.
Allein diese Tatsache ist für mich als Leser schon mehr als hart, denn in den meisten Fantasygeschichten, in denen die Personen Gaben und Fertigkeiten haben, integrieren die normalen Menschen sie in ihren Alltag und ziehen positive Erfahrungen daraus. Doch nicht hier! Dieses Buch stellt für mich schon eher die Realität dar, zumindest was das Misstrauen und mitunter auch der Hass gegenüber Andersartigkeit bei den Menschen betrifft. Und obendrein richtet es sich auch noch ausschließlich gegen Kinder. Grauenvoll!



Am Tag ihres 10. Geburtstags wird Ruby in das Lager in Thurmond gebracht, in dem sie jahrelang ein tristes und hoffnungsloses Dasein fristet bis ihr zur Flucht verholfen wird. Auf der Flucht trifft sie auf Liam (Lee), Charles (Chubs) und Suzume (Zu). Schnell freundet sie sich mit ihnen an. Ruby ist ein ruhiges, zurückhaltendes und ängstliches Persönchen. Im Laufe der Geschichte lernt sie nicht nur, mit ihren Fähigkeiten umzugehen, sondern auch mehr aus sich herauszukommen und für das zu kämpfen, was ihr lieb ist. Sie ist die Hauptprotagonistin und macht offensichtlich auch die größte Entwicklung in diesem Buch durch.
Liam ist ein Fels in der Brandung. Stark und zuverlässig hält er die kleine Gruppe zusammen. Manchmal kann er auch sehr emotional sein.
Chubs ist ein misstrauischer Mensch, immerfort nörgelnd und verunsichert. Aber auch ein treuer Freund.
Zu ist die Jüngste im Bunde, spricht nie und weckt den Beschützerinstinkt bei unseren Protagonisten. Sie ist wie eine kleine Schwester.



Der Schreibstil von Frau Bracken hat mir mitunter nicht so gut gefallen. Zum einen sind ihre Beschreibungen nicht detailliert genug. Als Leser hat man dadurch ständig Schwierigkeiten, sich die einzelnen Szenen vor Augen zu führen. Die Autorin vergisst kleine, aber wichtige Details, wie z.B. einen Positionswechsel der Protagonistin. So kommt es vor, dass Ruby in meinem Kopf aufrecht steht, aber in der Geschichte eigentlich schon auf dem Boden liegt. Schon hat sich im Kopf des Lesers eine eigene Szene entwickelt. Ganz verwirrt musste ich oftmals zurückblättern und nochmals lesen, nur um in jeder Szene von Neuem festzustellen, dass der Fehler nicht auf meiner Seite liegt. Das stört gehörig den Lesefluss.
Natürlich ist es gerade die Anregung der eigenen Phantasie, was das Lesen so einzigartig macht, aber ein paar notwendige und für den Verlauf einer Szene wichtige Angaben mehr, wären förderlich gewesen.
Zum anderen sind des Weiteren Doppelungen, d.h. Anschlussfehler im Buch vorhanden. So schluckt Ruby z.B. eine Tablette 2x.
Wenn man die "Stolpersteine" irgendwann ausblendet und es als gegeben hinnimmt, kommt man auch besser in die Geschichte rein.
Insgesamt haben hier aber Lektorat und Autorin ganz schön geschlampt.



Das Ende ist wirklich herzzerreißend und hat mich zum Weinen gerührt. Im Verlauf des Buches hatte ich diese Wendung schon einmal vermutet, aber sie ist glücklicherweise nicht eingetroffen. In das Ende passt es aber sehr gut hinein, auch wenn es so unglaublich traurig ist.
Auf den letzten Seiten hat man das Gefühl, dass die Geschichte längst nicht vorbei sein kann, sondern eher gerade erst begonnen hat. Die Veröffentlichung weiterer 2 Bände bestätigt mein Gefühl.



Eine einfallsreiche Hintergrundgeschichte mit sympathischen Charakteren, der es leider an einem detailreichen und bildhaften Schreibstil mangelt. Darüber, ob ich den 2. Teil lesen werde, bin ich mir noch unsicher.
3 von 5 Isis'


1. Die Überlebenden
2. Furchtlose Liebe: Die Überlebenden 2
3. Blut und Feuer: Die Überlebenden 3

Mein Dank geht an die Verlagsgruppe Randomhouse, die mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Hier kaufen: Die Überlebenden: Band 1 - Roman  



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