Freitag, 14. August 2015

[Rezension] Dania Dicken - Am Abgrund seiner Seele (Profiler-Reihe 1)

"Sie war hübsch. Sie war sogar besonders hübsch, wenn sie so dalag und weinte. Ehe er ging, warf er ihr einen zärtlichen, beinahe dankbaren Blick zu." Zitat S. 22

Ein Vergewaltiger überfällt im beschaulichen ostenglischen Norwich immer wieder Studentinnen und steigert sich, bis er sogar zum Mörder wird. Psychologiestudentin Andrea versucht, ein Täterprofil von ihm zu erstellen, denn seit sie ihn bei der letzten Vergewaltigung gestört hat, steht sie ganz oben auf seiner Todesliste...



Das Cover ist sehr aussagekräftig und zeigt eigentlich sofort, um was es in diesem Thriller geht. Man sieht eine Frau, mit weit aufgerissenen, erschrockenen und ängstlichen Augen und eine Hand, die ihr den Mund zu hält, falls sie auf die Idee kommen sollte zu schreien.
Im Hintergrund des präsenten Gesichts sieht man ein Gewässer. Auch das spielt in dem Buch, wenn auch nur am Rande, eine Rolle. Verbindet man das vordergründige mit dem hintergründigen Bild wird man sich des Schicksals der armen Frau gewahr.



Das Thema dieses Buches ist wahrlich kein leichter "Stoff". Das Wissen über Entführungen und Vergewaltigungen ist per se schon schrecklich genug, aber dann auch noch davon zu lesen - stellenweise in aller Einzelheit - ist absolut nicht leicht. 
Diesen Thriller empfehle ich daher nur Lesern mit starken Nerven. Selbst ich, die literarisch schon manch anderes gewohnt ist, musste stellenweise mit der Fassung ringen.



Andrea ist die Hauptakteurin in diesem Roman. Sie ist eine Studentin, die in Deutschland aufgewachsen, aber wegen des Todes ihrer gesamten Familie nach England gezogen ist.
Als eine Reihe von Vergewaltigungen auf ihrem Campus geschehen und sie eine davon sogar verhindern kann, indem sie den sogenannten Campus Rapist in die Flucht schlägt, ist es aus mit ihrem ruhigen Studentenleben. Durch ihr Studium kennt sie sich etwas mit Profiling aus und hilft der örtlichen Polizei bei der Erstellung eines Täterprofils. Bald muss sie erkennen, dass dieses Profil auch ihr nützlich wird, denn der Rapist ist überhaupt nicht begeistert davon, dass Andrea seine letzte Tat gestört hat und hat sich etwas ganz Besonderes für sie überlegt. Ich gönnte es Andrea, dass sie die Gelegenheit bekam, der Polizei zu helfen. Irgendwann wunderte ich mich aber, dass die Polizei keinen echten Profiler hinzuzog, obwohl sie stellenweise von Andreas Ergebnissen nicht ganz überzeugt waren. Die Polizei hat sich allein auf eine Studentin verlassen, die salopp gesagt, mit Profilen herumgespielt und die richtigen Ansätze zusammenstellt hat. Klar, Andrea hat Talent bewiesen, aber dass sich die Polizei allein auf eine Studentin stützt, kam mir doch etwas zu unrealistisch vor, gerade vor dem Hintergrund der Dringlichkeit einer Festnahme des Täters.
Andrea ist eine starke Persönlichkeit, die in vielen Situationen bemerkenswert standhaft ist. Etwas Unterstützung erhält sie dabei von ihrem Freund Gregory, der immer an ihrer Seite ist und sie wie ein treuer Hund auf Schritt und Tritt bewacht und beschützt. Doch auch er kann nicht verhindern, dass Andrea sich immer mehr in den Fall hineinsteigert und bald droht die Beziehung daran zu zerbrechen.
Als absolut unangenehm empfand ich Andreas angeblich beste Freundin Sarah. Sie war dermaßen oberflächlich und ich-bezogen, dass ich eigentlich nur den Kopf über ihre gefühllose Art schütteln konnte. Anstatt Andrea aufzumuntern und beizustehen, liegt sie ihr immerfort in den Ohren, dass sie sich doch so glücklich schätzen kann, einen Freund zu haben. Als echte Freundin würde mir da wahrlich besseres einfallen...



Wie oben bereits angedeutet, hält die Autorin keine schrecklichen Einzelheiten zurück. Ungeschönt, knallhart und direkt schildert sie manch grausige Szene. Und mal ehrlich, natürlich ist es nicht erheiternd so etwas zu lesen, aber im Grunde ist dies die Realität. Solche Taten passieren jederzeit und überall und diese Gewissheit macht das Lesen eigentlich am Schlimmsten.
Die Kapitel-Übergänge würde ich eher als Brüche bezeichnen, denn oftmals sind sie wirklich sehr direkt und man wird nicht sanft sondern hart in den nächsten Abschnitt geführt. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran.
Frau Dicken baut Perspektiv-Wechsel zwischen Andrea und dem Täter ein, die bei dem Leser in den fortschreitenden Geschehnissen immer mehr eine Gänsehaut erzeugen.
Ungewöhnlich finde ich allerdings die Perspektiv-Wechsel innerhalb der Kapitel, und zwar zwischen den einzelnen Protagonisten. Denn wir erleben nicht nur Andrea in der 3. Person, sondern auch 3 Sätze später plötzlich Gregory und dann wieder Andrea usw. usf. So werden die Gefühle und Gedanken bunt durcheinander gewürfelt. Ich konnte zwar immer erkennen, welche Eindrücke zu wem gehörten, dennoch fand ich diesen ungewohnten Stil nicht ganz angenehm. Man fühlte sich von einer Emotion zur anderen hin und her geworfen. 



Gut, dass es letztendlich ein Happy End gab, obwohl ich der Autorin durchaus auch anderes zugetraut hätte. ;-) Ganz zum Schluss packte Frau Dicken noch ein ganz besonderes Schmankerl hinein. Das war mir allerdings zu viel des Guten. Aber das ist vermutlich Geschmackssache.



Ungewöhnliche Stilelemente in einem ungeschönten, knallharten Thriller, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.
4 von 5 Isis'



Mein Dank gilt Frau Dicken, da Sie mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Hier kaufen: Am Abgrund seiner Seele (Profiler-Reihe 1)  



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über eure Kommentare!

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Meine aktuellsten Rezensionen