Donnerstag, 22. Oktober 2015

[Rezension] Joe R. Lansdale - Drive-In

"Aber dann wurde mir klar, dass das Käse war und ich nur um mich selbst weinte, diese Einsamkeit, die Enttäuschung, das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit, die Erkenntnis, dass das Universum ein dunkler finsterer Ort ist und das Leben selbst nichts anderes als eine Karussellfahrt, und wenn die Glocke ertönt und die Fahrt zu Ende ist, steigt man ab und tritt hinaus ins Nichts." Zitat S. 197

Stellt euch ein Autokino vor, das groß genug ist, viertausend Autos zu fassen. Dann habt ihr eine Idee vom Orbit, dem größten Drive-in von Texas. Jeden Freitag gibt es dort die All-Night-Horror-Show. Genau hier sind wir jetzt, alles ist perfekt. Aber plötzlich taucht aus dem Nichts dieser blutrote Komet auf. Schlagartig ist das Orbit von der Außenwelt isoliert, eingeschlossen von einer tödlichen Leere. Es gibt kein Entrinnen. Die Nahrungsmittel werden knapp. Erste Fälle von Totschlag und Kannibalismus treten auf. Doch das Schlimmste steht uns erst bevor ...



Das Cover führt uns mit seiner Aufschrift zum Drive-In. Die Reklametafel prangert vor uns und lockt uns in die nächsten Filme. Der Buchdeckel ist mit Farbakzenten von grün und blau hervorgehoben, die dem Ganzen ein eigenartiges Licht verleihen.
Nicht alle 3 Bände handeln vom Drive-In, aber es ist dennoch wie ein roter Faden, der sich durch die Geschichten zieht.



Das Buch und die Story dahinter sind so abgedreht und surreal, dass sie sich mit nichts vergleichen lassen. 4 Freunde gehen in ein Autokino namens "Orbit" und plötzlich schlägt ein Komet auf der Erde ein. Was dann geschieht, geht über das menschliche Vorstellungsvermögen hinaus. Und das ist jetzt nicht einfach nur eine Redewendung, sondern ich meine es wirklich so. Das, was der Autor sich da erdacht hat, ist unglaublich, ungewöhnlich und geht auf keine Kuhhaut. Es ist abwegig und losgelöst von allem Bekannten.
Anfangs ist man noch fasziniert von der verrückten Welt, die Herr Lansdale hier für den Leser erschaffen hat, aber irgendwann wird dies alles sehr quälend. Es ist einfach zu viel, zu langgezogen und zu überdreht, als dass man durch über 700 Seiten noch eine Faszination aufrecht erhalten kann.



Jack ist Ich-Erzähler und Hauptprotagonist in der Trilogie. Er erzählt tagebuchartig von sämtlichen Erlebnissen. Dadurch entwickelt er sich für den Leser mit der Zeit zu einem guten alten Freund. Als würde man ihn schon ewig kennen.
Die weiteren Protagonisten wechseln von Geschichte zu Geschichte. Das Buch beginnt zunächst mit 3 Freunden von Jack. Im Drive-In lernen sie einen Mann kennen, der sie dann in die nächste Handlung begleitet. Und in der nächsten Handlung kommen dann noch weitere Menschen dazu, die wiederum mit in den nächsten Abschnitt gehen usw. usf. Die einzige Konstante ist Jack. Es gibt überwiegend nur skurille Gestalten. Man hat den Eindruck, dass nur Jack noch normal geblieben ist.
Sehr merkwürdig fand ich allerdings, dass Jacks guter Freund Bob im 2. Teil der Trilogie einfach verschwindet. Keine Worte, was mit ihm passiert ist - er wird einfach nicht mehr erwähnt. Ich musste die vergangenen Seiten wieder und wieder lesen, aber konnte einfach nichts zu seinem Verbleib herausfinden. Entweder ist das ein großer Schnitzer des Autors und/oder Verlags oder es ist so gewollt. Letzteres kann ich mir allerdings nicht vorstellen, denn in diesem Buch wird alles bis ins kleinste Detail beschrieben. Daher stellt sich mir die Frage: Was ist mit Bob passiert?



Die einzelnen Bände der Trilogie werden mit prägnanten und auch amüsanten Kapitelüberschriften eingeleitet. Durch die gesamte Story zieht sich eine vulgäre und derbe Sprache. Außerdem dreht sich nahezu alles um das Thema Sex. Entweder hat Herr Lansdale nichts anderes im Kopf oder es soll einfach zur Stimmung des Buches passen. Manchmal tat es das, manchmal wirkte es aber auch entrückt und unpassend. 
Der Autor schmückt sein Geschriebenes mit enorm vielen Metaphern, in den buntesten Farben und Ausprägungen. Oftmals ließ sich dabei ein Schmunzeln nicht vermeiden.
Die Handlung ist ansonsten leicht zu verstehen und man kann ihr flüssig folgen.



In jedem der 3 Bände gibt es ein eigenständiges Ende, das an und für sich auch so stehen bleiben kann. Trotzdem möchte man wissen (zumindest noch nach dem 1. Teil) wie es weiter geht und Herr Lansdale befriedigt die Neugier. Den Abschluss der Trilogie lässt er allerdings auch offen. Und ehrlich gesagt, sehne ich mich nicht nach einer Fortsetzung. Man hat schlussendlich ein von verrückten Geschichten und Figuren vollgestopftes Gefühl - ein Völlegefühl. Irgendwann muss auch mal Schluss sein.



Eine überdrehte, surreale und erfrischend abgedrehte Trilogie, von der man allerdings irgendwann eine Überdosis bekommt und entnervt die weiße Fahne hisst.
3 von 5 Isis'



Mein Dank geht an die Verlagsgruppe Randomhouse, die mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.



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