Donnerstag, 12. November 2015

[Rezension] Gregg Hurwitz - Blackout

"Der morgige Tag konnte uns vielleicht diesen Graffitikünstler bringen, der Augenzeuge gewesen war, oder auch eine weitere Leiche, oder auch einen Anstieg des Meeresspiegels, so dass wir alle nur noch mit Schnorcheln atmen konnten." Zitat S. 193

Die Ärzte sagen, dass Drew Glück hatte: Ohne die Notoperation nach dem epileptischen Anfall hätte sein Hirntumor ihn binnen kurzem umgebracht. Die Polizei hat weniger gute Nachrichten: Sie hat Drew nachts neben der Leiche seiner Ex-Freundin gefunden, das blutverschmierte Messer noch in der Hand. Verzweifelt beteuert er seine Unschuld. Doch in Wahrheit kann er sich an nichts erinnern …



Über den gelben Lettern "Blackout" sieht der Betrachter blutige Fußspuren und einen zur Hälfte erkennbaren Blutfleck. Im Buch gibt es eine ähnliche Szene, die meines Erachtens hier auf dem Cover etwas überspitzt dargestellt ist. Des Weiteren erschließt sich mir der Grund der Darstellung von fünfeckigen Pflastersteinen, die man im Hintergrund angedeutet sieht, nicht ganz.



Niemand möchte in einem Krankenhaus aufwachen und damit konfrontiert werden, das Leben seines Expartners auf dem Gewissen zu haben. Schon gar nicht, wenn man sich partout nicht daran erinnern kann, diesen umgebracht zu haben. Aber wieso hat man dann das Blut des Opfers unter den Fingernägeln und alle Beweise deuten auf die eigene Schuld hin?
Dennoch wird Andrew Danner freigesprochen, weil seine 100%ige Zurechnungsfähigkeit durch einen Tumor in seinem Gehirn nicht nachgewiesen werden kann. Bald darauf gibt es die nächste Leiche und Drew ist Verdächtiger Nummer 1.
Zusammen mit Andrew begibt man sich auf die Reise, um Beweise für die Unschuld zu finden. Man geht mit ihm auf Ermittlungstour und sammelt Stück für Stück die Puzzleteile zusammen.



Andrew Danner ist Krimiautor und durchlebt quasi einen eigenen Kriminalroman, mit ihm in der Hauptrolle.
Der Leser begleitet Drew auf Schritt und Tritt. Er wacht mit ihm im Krankenhaus auf, muss sich der schrecklichen Nachricht bewusst werden, die der Polizist an seinem Bett für ihn hat, sich dem Gericht stellen und dann auf eigene Faust gegen den Täter ermitteln, der offenbar noch auf freiem Fuß ist und alles so aussehen lässt, als wäre Andrew der Täter. Drews Connections als Schriftsteller helfen ihm bei seinen privaten Ermittlungen und er wird zum Ärgernis der beiden ermittelnden Polizisten, denen er immerzu in die Quere kommt.
Gregg Hurwitz stellt Andrew Danner als selbstironischen Menschen dar. Ich persönlich mag diesen Wesenszug und konnte mich daher schnell mit Danner anfreunden. Er ist zwar etwas exzentrisch und damit für manchen Protagonisten nervtötend, aber trotzdem hat er eine natürliche und authentische Art.



Herr Hurwitz hat einen flüssigen und mitreißenden Schreibstil, der eine Art Sogwirkung entwickelt. Genauso wie der Hauptprotagonist fühlt man sich hilflos und gefangen in der Ungewissheit. Man rudert gegen den Strom und hangelt sich von Hinweis zu Hinweis wie ein Verdurstender, der in der Wüste die nächste Wasserquelle sucht.
Um seine Erlebnisse zu verarbeiten, schreibt Andrew alles auf, was ihm widerfährt und was er im Rahmen seiner Ermittlungen entdeckt - ganz in seiner Schriftsteller-Manier. Der Autor Hurwitz baut hier ein interessantes Element ein, denn er lässt uns an den Niederschriften von Danner teilhaben, die in Schreibmaschinenschrift vom restlichen Inhalt abgegrenzt sind. Andrews Texte fassen noch einmal alles zusammen und der Leser kann Revue passieren lassen. Zudem sind an Drews Texten stellenweise handschriftliche Notizen seines Lektors und Freundes angebracht, die das Ganze auflockern. Eine witzige Idee, wie ich finde.



Dem Leser ist bewusst, dass der Name des Täters am Ende schwarz auf weiß stehen wird. Dass Drew für den 2. Mord nicht verantwortlich ist, erfährt man sehr schnell, denn er hat ein wasserdichtes Alibi. Dennoch ist sich der Leser, und auch Drew selbst, nicht sicher, wer den Mord an seiner Exfreundin begangen hat. Vielleicht ist doch er der Täter? Bis zum Schluss wird man nicht in Sicherheit gewogen, sondern muss mit dem Protagonisten bangen.
Doch plötzlich wendet sich das Blatt und Danner hat einen Verdacht. Er überholt den Leser und weiß mit einem Mal mehr als dieser. Bis hierhin hat man immer genauso viel Kenntnis gehabt wie Andrew - doch den Gefallen tut einem der Autor dieses Mal nicht. Drews Gedankengänge liefern Stück für Stück die Zusammenhänge, sodass man als Leser "aufrücken" kann, bis man den alles entscheidenden  und überraschenden Aha-Effekt hat.
Der Leser tappt bis zum Schluss im Dunkeln und wird mit einer nicht erwarteten Wendung konfrontiert, die zwar nicht ganz nach meinem Geschmack, aber trotzdem logisch und schlüssig ist.



Herr Hurwitz produziert mit den Geschehnissen um Andrew Danner eine Sogwirkung, die es dem Leser nicht leicht macht als außenstehender Betrachter zu agieren. Er wird hinein katapultiert und setzt die Puzzleteile zusammen, die dann schlussendlich zu einem logischen Ende führen.
4 1/2 von 5 Isis


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