Montag, 25. Januar 2016

[Rezension] Nick Cutter - Die Tiefe

"Er wich in den Straßengraben zurück, und seine Füße versanken im Schlamm. Es war ein unangenehmes Gefühl, als dieser wie ein gieriges lippenloses braunes Maul an seinen Stiefeln saugte." Zitat S. 8

Die Menschheit erzittert unter einer unheimlichen, tödlichen Krankheit, die sich rasend schnell ausbreitet. In dieser Krisensituation wird der Arzt Luke Nelson zu Hilfe gerufen. In den Tiefen des Meeres ist ein Organismus aufgetaucht, ein Parasit, mit dem sich die Krankheit vielleicht bekämpfen lässt. Lukes Bruder Clayton, ein genialer Biologe, ist mit seinem Team bereits im Tauchschiff Trieste. Doch der Kontakt zur Trieste bricht ab. Als die grausam entstellte Leiche eines der Forscher geborgen wird, begibt Luke sich hinab in den Marianengraben. In die dunkle Tiefe …



Passend zum Titel wird man mit dem Cover in die Tiefen des Meeres katapultiert. Man schwimmt im Wasser, es ist finster und kleine Luftbläschen steigen um einen herum auf. Wären da nicht die Fäden von Blut, die langsam aus der Tiefe emporsteigen, wäre das Cover nur unheimlich. So aber wirkt es bedrohlich. Der Tod lauert in der Tiefe und er wartet auf dich.



Die Menschheit ist von einem unheilbaren Virus befallen und die einzige Hoffnung verbirgt sich in den Tiefen des Meeres, beim Marianengraben. Dort wurde eine Substanz entdeckt, die möglicherweise nicht nur den Virus, sondern auch alles andere heilen könnte. So weit, so gut... Da aber nie etwas so ist, wie es scheint, ist dem Leser schnell klar, dass es kein Happy End geben wird. Das bringt auch bereits der Klappentext zum Ausdruck. Die Frage ist nur, wie unumstößlich und vielleicht auch gefährlich dieser Strohhalm ist, den die Menschen hier ergreifen. Das ist der Plot, der auf den Leser wartet und der ihn mit in "die Tiefe" zieht. Und vielleicht... vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung...



Einziger und alleiniger Protagonist ist Lucas "Luke" Nelson. Er ist Tierarzt und bisher von der mysteriösen Krankheit verschont geblieben. Sein Bruder Clayton befindet sich in der Unterwasser-Forschungsstation "Trieste", um an einer neu entdeckten Substanz zu forschen, die vielleicht ein Heilmittel darstellt. Doch irgendetwas läuft dort unten schief und der Funkkontakt zur Forschungsstation bricht ab. Luke erhält einen Hilferuf von seinem Bruder und begibt sich auf den Weg in die Tiefe. Jedoch nicht, um seinem Bruder zu helfen, denn die beiden haben sich nie richtig gemocht und seit Jahren keinen Kontakt  - sondern einzig und allein für das Wohl der Menschheit.
Luke ist ein eher ängstlicher und auch gebrochener Mann. Seine Ehe nahm ein jähes Ende als sein einziger Sohn Zachary durch seine Unachtsamkeit spurlos verschwand. Er besitzt nicht mehr viel im Leben, das ihn antreibt. Mit dem Hilferuf aus der Trieste hat er ein neues Ziel.
Nach und nach kommt außerdem seine zerstörte Kindheit zu Tage, an der seine Mutter Schuld ist.
Ein fast schon bemitleidenswerter, aber dennoch sympathischer Charakter mit tiefsitzenden Problemen.



In "Die Tiefe" ist das Grauen allgegenwärtig. Der Autor konfrontiert den Leser mit immer mehr und mehr Horrorszenarien und... verliert sich dann irgendwann darin. Anfangs war es noch nett zu lesen, welche kranken Grausamkeiten sich der Autor da erdacht hat - schließlich bin ich eingefleischter Horror-Fan. Doch irgendwann bekommt man den Eindruck, dass nahezu alles und jede Situation brutal und krank sein muss. Für mich wurde es schlichtweg einfach zu viel und die Story verlor ihre Glaubwürdigkeit
Es ist unüberlesbar, dass Nick Cutter ein großer Freund von Vergleichen ist. Nahezu jeder Gegenstand, jedes Geräusch muss verglichen und damit näher beschrieben und versinnbildlicht werden. Manchmal waren die Sätze damit ganz nett zu lesen, so z.B. in dem Zitat, das ich euch oben genannt habe. Doch häufig wirkte der Einsatz des Stilmittels an den Haaren herbei gezogen und nicht passend. Als hätte der Autor eine Liste mit schönen Vergleichen abgehakt, die er unbedingt einbauen will.
Bei all seinen vielen bestialischen Szenen und Vergleichen verliert Cutter leider auch irgendwann den roten Faden und, wie es mir scheint, sich selbst.



Anstatt sich aus der ganzen Misere zu retten, setzt er mit dem Ende noch die Krone auf. Cutter versucht mit dem Finale etwas "Logik" in den Plot einzubauen, aber richtig gelungen ist es ihm nicht. Denkbar, sicherlich... irgendwie... Aber SO?



Der Autor macht die schöne Idee, die hinter dem Buch steckt leider mit überzogenen und unglaubwürdigen Horrorszenen und mit im Überschuss verwendeten Stilmitteln zunichte.
3 1/2 von 5 Isis'


Ich bedanke mich ganz herzlich beim Heyne Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Hier kaufen: Die Tiefe: Thriller  



Kommentare:

  1. Hi,
    im letzten Jahr hatte ich auch ein Buch von Nick Cutter als Rezensionsexemplar bekommen und ich war ein wenig schockiert. :O (Leider nicht so recht positiv) Horror kam da für mich kaum auf und auch wenn ich das Buch jetzt schon öfter gesehen habe, werde ich es wohl nicht lesen! ;)

    Danke für deine Rezension!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      von Nick Cutter hatte ich vor "Die Tiefe" nur entfernt etwas gehört. Ich glaube, "Das Camp" hieß das Buch, das mich als allererstes auf ihn aufmerksam gemacht hat. Die Rezis gingen da aber so durcheinander, dass ich die Finger davon gelassen habe.
      Bei "Die Tiefe" hat mich die Story irgendwie interessiert. Ich meine, Horror kann er ja - aber irgendwie zu... banal...

      Grüßlies
      Steffi

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  2. Ich finde auch, dass der Autor mehr aus dem Buch hätte machen können. Die Idee an sich war prima und man kann dem Autor auch das Schreibtalent nicht absprechen. Leider war mir die Story irgendwann zu absurd und abgedreht für einen Thriller und der Horror wiederum nicht raffiniert genug. Die Lobeshymnen, die es über dieses Buch gab, konnte ich nicht nachvollziehen und vermutlich sind dann auch andere Bücher des Autors nicht nach meinem Geschmack.

    LG Gabi

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    1. Hallo Gabi,

      die Lobeshymnen verwundern mich auch. Eigentlich war es nur sinnlos und krank. Und letzteres für Horror-Fans nicht im positiven Sinne.

      Eigentlich würde mich schon mal interessieren, was der Autor noch so geschrieben hat. Aber dann denke ich, dass ich genug zu lesen habe und dann lieber zu Büchern greife, die gern lesen will. ;-)

      LG Steffi

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Ich freue mich über eure Kommentare!

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