Freitag, 20. Mai 2016

[Gewinnspiel] und [Interview] mit Jonas Winner

Wenn ihr meine letzten Posts verfolgt habt, werdet ihr mitbekommen haben, dass es "Die Zelle" von Jonas Winner zu meinem Buch des Monats geschafft hat. Schaut gern noch einmal rein, falls ihr den Beitrag verpasst habt. :) Dort findet ihr weitere Infos zum Buch sowie einen Link zur Leseprobe und meiner Rezension.

Im Zuge dessen habe ich die Gelegenheit genutzt und Herrn Winner um ein Interview gebeten, das ich euch heute voller Stolz präsentieren kann! Ich habe mich sehr gefreut, dass Herr Winner zugesagt hat und hoffe, dass ich für euch die richtigen Fragen gestellt habe. ;-)
Außerdem darf ich ein Exemplar von "Die Zelle" an euch verlosen. Ist das nicht großartig? :D Wenn ihr Thriller mögt, kann ich euch das Buch wirklich wärmstens empfehlen.

Nun aber noch einmal kurz: Wer ist Jonas Winner?

Jonas Winner wurde 1966 in Berlin geboren, ist in Nikolassee aufgewachsen, einem Vorort im Westen der Stadt. Als er elf Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm und seinem Bruder nach Rom, wodurch es mit dem beschaulichen Leben erstmal vorbei war. Er besuchte die Deutsche Schule und verbrachte die meiste Zeit damit, sich zu wundern. Nach einem halben Jahr in den USA kehrte er mit achtzehn zurück nach Berlin, begann ein Studium der Philosophie und stellte fest, dass ihn das wirklich interessierte. Er ging für ein Jahr nach Paris, machte ’93 seinen Magister und begann fürs Fernsehen zu arbeiten. Zunächst in der Kulturredaktion des regionalen ARD-Senders, später als Reporter und Redakteur eines Privatsenders. 1996 vervollständigte er sein Studium mit einer Promotion in Philosophie, beschloss jedoch – als er sich zwischen Philosophie und dem Fernsehen entscheiden musste – sein Glück erstmal als Journalist zu versuchen.

Jonas Winner drehte Dokumentationen und Reportagen für ZDF, WDR, ARD, ORB und arte über Themen, die von der Luftwaffe bis zum Friedrichstadtpalast reichten, und leitete über ein Jahr lang die vierzehnköpfige Redaktion eines täglichen Live-TV-Magazins. Zur gleichen Zeit gründete er zusammen mit drei Freunden „plotpower“, ein Label für Drehbücher und Stoffentwicklung, das nach wie vor existiert. Um 2000 herum begann er parallel zu seiner Arbeit als TV-Reporter mit dem Schreiben von Drehbüchern, vor allem Krimis und Thriller, die unter anderem vom ZDF, der ARD und Sat1 gezeigt worden sind. 2006 war es dann soweit: Er setzte sich hin und schrieb „Davids letzter Film“, ein Manuskript, das nach einigen Überarbeitungen 2009 von dtv gekauft wurde.

Heute lebt Jonas Winner in Berlin. (Quelle: www.jonaswinner.com)

Zu seinem Internetauftritt kommt ihr hier.



Hier ist für euch das versprochene Interview:

Steffi:
Dein aktuelles Buch "Die Zelle" ist ein verstörender Thriller mit einer bedrückenden und düsteren Stimmung. Er wird aus der Sicht eines Kindes erzählt, das im Bunker unter seinem Haus ein gefangen gehaltenes Mädchen entdeckt und seinen Vater dahinter verdächtigt. Wie bist du auf die Idee zu diesem Buch gekommen?

Jonas: 
Wie bist du auf die Idee gekommen … Hmm, da muss ich erstmal nachdenken. Es war so, dass ich ziemlichen Zeitdruck hatte. Mein Verlag Droemer Knaur hatte einen sogenannten Zwei-Buch-Vertrag mit mir abgeschlossen. Das erste Buch hatte ich abgeliefert, nun musste ich das Zweite schreiben. Allerdings war der Abgabetermin bereits verstrichen. Ich hinkte also gewissermaßen hinterher. Das ist schon okay, der Verlag war großzügig, hat Verständnis dafür gehabt, dass es länger dauern kann, ein Buch zu schreiben – und doch: Dieser bereits verstrichene Abgabetermin brannte mir ziemlich auf den Nägeln. Also habe ich mich hingesetzt und überlegt: Ein Buch, das ich in relativ schneller Zeit schreiben kann – ein Buch, das von der Grundidee so einfach und klar ist, dass es mir nicht auf halber Strecke um die Ohren fliegt (d.h., dass ich nicht nach Niederschrift der Hälfte plötzlich merke, dass ich alles ganz anders hätte aufziehen müssen) – ein Buch, das von Anfang an so spannend ist, dass kein Leser, der einmal damit angefangen hat, es wieder aus der Hand legen kann … Welches Buch ist das? Welche Geschichte erfüllt all diese Bedingungen? Ich erinnere mich noch genau: so in etwa habe ich gegrübelt. Was ich nicht mehr weiß ist, wie ich dann auf diese Geschichte als Lösung gekommen bin. Das ist interessant, da gibt es eine Art Lücke, die aufklafft, und über die man sich erst klar wird, wenn man anfängt, ganz genau darüber nachzudenken. Dass der Moment, der einen erlöst (erst denkt man mehr oder weniger in Panik: Was für ein Geschichte kann und will ich schreiben, wie muss sie laufen – und dann hat man plötzlich die Idee im Kopf, hat die Lösung gefunden, kann loslegen), der Moment in dem man übergeht von dem panischen Zustand VOR DER IDEE in den erlösten Zustand NACH DER IDEE, dass dieser Moment wirklich rätselhaft ist. Natürlich ist es ein Moment, der für mich als Autor von Romanen von erheblicher Wichtigkeit ist. Wenn mir in einem solchen Moment eine gute Idee einfällt, ist das als wenn ich auf Gold stoßen würde. Deshalb wüsste ich selbst gern mehr über diesen Moment an dem die Idee einem einfällt, aber es bleibt etwas Geheimnisvolles, Rätselhaftes, auch Zauberhaftes. Ich kann nur sagen: ich hoffe, dass ich noch ein paar Mal so glücklich sein werde, einen Einfall zu haben, der mich selbst so beflügelt, dass ich mich hinsetzen kann und losschreiben. Aber so viel ist klar: Bei „Die Zelle“ war der entscheidende Einfall, dass der Junge das Mädchen im Bunker entdeckt – und dass er seinen Vater verdächtigt. Diese Geschichte, von dem Jungen der seinen Vater verdächtigt, ein Mädchen im Keller gefangen zu halten, habe ich noch nie gelesen. Ich wusste: diesem Einfall will ich nachgehen – die Buchidee war geboren.


Steffi: 
Welche Charakterausarbeitung hat dir neben Sammy, dem Hauptprotagonisten in "Die Zelle", am meisten Spaß gemacht und warum?

Jonas:
Nun, außer Sammy lernen wir vor allem seinen Vater in dem Buch gut kennen. Die anderen Figuren bleiben ja mehr am Rand. Aber das war ja, wie ich gerade zur ersten Frage gesagt habe, der Kern der Idee: Der Junge verdächtigt seinen Vater. Um sie beide geht es. Über sie beide wusste ich sozusagen von Anfang an Bescheid. Es war irgendwie klar, wie sie „ticken“. Ich musste das nicht entscheiden. Das ist immer gut. Denn in dem Moment, wo sich verschiedene Möglichkeiten ergeben, wo man / ich wählen muss, ob ich es so oder so machen möchte, taucht das Problem auf, dass es gar nicht so einfach ist, so eine Wahl zu begründen. Ist es besser so oder so? Entweder ich weiß das von Anfang an, oder ich habe das Problem, dass ich eigentlich nicht genau weiß, anhand welchen Kriteriums ich entscheiden soll. Warum das so ist? Naja, was will man denn erreichen? Man will ein gutes / tolles Buch schreiben. Was aber ist schon toll? Was ist gut/schön? Das sind vollkommen subjektive Eigenschaften, mancher findet das Eine toll, jemand anderes etwas ganz anderes. Was man selbst toll/interessant/erzählenswert findet, das FÜHLT man. Auch das schlauste Argument wird einen kaum wirklich davon überzeugen können, etwas gut zu finden, von dem man spontan dachte, dass man es alles andere als gut finden würde. Ich erkläre das sicher ganz schlecht hier, aber was ich sagen möchte, ist: Man kann die wesentlichen Teile eines Romans (und die Figuren sind für mich so etwas wie wesentliche Teile eines Romans), man kann diese Teile eines Romans nicht HERLEITEN. Daraus wird nichts. Man muss es fühlen, von Anfang an wissen. Wenn ich bei einer Figur nicht genau wusste, ob ich sie so oder so anlegen soll, wird diese Figur immer sehr viel weniger lebendig bleiben als die Figuren, bei denen ich von Anfang an ein klares Bild hatte. Um also auf die Frage zurückzukommen: Es waren Sammy und sein Vater, bei denen ich sozusagen mit der größten Begeisterung am Werk war. Weil ich – kurz gesagt – wusste, wer sie waren, oder darüber nachdenken zu müssen.


Steffi:
Die Psyche des Täters hast du sehr authentisch dargestellt. Musstest du dich dafür eingehender mit psychologischen Krankheitsbildern beschäftigen?

Jonas:
Natürlich, Psychologie ist eine spannende Wissenschaft … dass ich aber gezielt Nachforschungen betrieben hätte, um die Einzelheiten des Innenlebens des Täters kennenzulernen, kann ich nicht sagen. Tatsächlich glaube ich auch, dass das nicht wirklich zielführend ist. Meine Erfahrung ist: Die Sachen, die man durch Nachforschungen lernt, aus anderen Büchern und so weiter, kann man gut verwenden, um ein paar Fakten in einem Buch korrekt hinzubekommen. Die Psyche des Täters in „Die Zelle“ aber ist kein äußerliches Faktum, es ist in gewisser Weise die Seele des Buches. Sein Kern. Und den kann man nicht aus anderen Büchern … wenn ich das mal so ungefiltert sagen darf … lernen, den muss man (würde ich sagen) aus sich selbst herausholen. Nur dann hat ein Buch das, was ich vielleicht für die wichtigste Eigenschaft überhaupt von einem Roman halte: Es ist authentisch. Kein Klischee, nicht abgeschrieben, angelernt, behauptet, sondern irgendwie – wie genau, das ist eine schwierige Frage – aber doch irgendwie ECHT. Es gibt diesen Spruch: 'Fiction is the truth inside the lie.' Ich glaube, der Spruch stammt von einem Autor, den ich unten nochmal erwähnen werde. Ich finde, das trifft es mit ganz wenigen Worten schon sehr gut. Diese Wahrheit innerhalb der Lüge aber kann dir keine andere Wissenschaft zur Verfügung stellen. Ich habe darüber noch nicht nachgedacht, aber vielleicht ist das so, weil man Lügen eben nicht recherchieren kann …


Steffi:
Hast du "Die Zelle" und den roten Faden darin von Anfang an so geplant, wie du es letztendlich auch umgesetzt hast oder hat es dir stellenweise in den Fingern gejuckt, die Handlung entgegen deines "Fahrplans" zu verändern?

Jonas:
Hehe. Diese Frage kommt mir wie ein nettes Klopfen an der Tür zum Geheimlabor vor, mit der Bitte, mal einen Blick auf die Rezeptur werfen zu dürfen. Aber okay: Ja, klar, so ein Fahrplan ändert sich. Leider, möchte ich hinzufügen. Das ist ja immer das Schlimmste: Die Krise. Man schreibt, es werden mehr und mehr Seiten und plötzlich ist es, als würde Sand ins Getriebe geraten sein. Irgendwas stockt. Es knirscht. Das Schreiben wird zäher – und plötzlich kommt die ganz verdammte Maschinerie zum Stillstand. Katastrophe. Was ist geschehen?! Der Abgabetermin!! Das Buch hätte längst fertig sein müssen. Und statt mit fliegenden Fahnen ENDLICH aufs Ende zuzurasen ist Stillstand eingetreten. Warum? Das große Grübeln beginnt. Und manchmal – und so war es auch bei Sammys Geschichte – stellt man fest, oder besser gesagt: stelle ich fest, dass der Grund des Stillstands ist, dass im „Fahrplan“ etwas nicht richtig angelegt war. Es muss an dem Plan etwas geändert werden, damit es weitergehen kann. Und wenn man die erforderliche Änderung erkannt und durchgeführt hat, stimmt wieder alles, die Lok nimmt Fahrt auf – und man rast weiter … hoffend … betend … dass man nicht nochmal stehen bleiben muss …


Steffi:
Welches deiner Bücher war kommerziell am erfolgreichsten und woran, denkst du, könnte das liegen?

Jonas:
Kommerziell am erfolgreichsten … das kann zweierlei bedeuten. Einmal: Mit welchem Buch ich am meisten Geld verdient habe. Zum anderen: Welches Buch am meisten Exemplare verkauft hat. Das meiste Geld hat BERLIN GOTHIC in die Kasse gespült, die meisten Exemplare (bisher) sind verkauft worden von DER ARCHITEKT, aber DIE ZELLE holt auf. Waran das liegt? ZELLE und ARCHITEKT sind sozusagen „zugänglicher“ als DAS GEDANKENEXPERIMENT, DAVIDS LETZTER FILM und BERLIN GOTHIC (meine anderen drei Veröffentlichungen). Die letztgenannten Bücher fordern vom Leser mehr, würde ich sagen. Und das schreckt viele natürlich ab. Welcher Leser kennt das nicht: Man hat ein Buch in der Hand und überlegt: Habe ich Lust, mich jetzt für x Stunden in diese Welt zu begeben? Und manchmal hat man einfach keine Lust, eine Reise zu wagen, die vielleicht faszinierend zu sein verspricht aber auch anstrengend. Manchmal will man einfach nur am Pool liegen sozusagen und eine angenehme Zeit haben. Oder? Das aber haben meine drei zuletzt genannten Bücher nicht so sehr versprochen. Sie haben zu den potenziellen Lesern eher gesagt: Lies mich, ich werde dir die Augen öffnen, ich werde dir – wenn du dich nur ein kleines bisschen auf mich einlässt – Dinge zeigen, die du noch nie gedacht hast, von denen du dir vielleicht nicht einmal vorstellen konntest, dass man sie DENKEN kann. (Oder so ähnlich, ich übertreibe natürlich … ) Und das schreckt Leser manchmal ab. Oh nee, das ist mir jetzt too much, denken sie vielleicht und legen das Buch, das sich ihnen so freundlich angeboten hat, wieder hin. LEIDER, kann ich nur sagen. Schade für mich, aber auch schade für sie, denn – wie ihnen auch die Leser sagen können, die sich nicht haben abschrecken lassen - es hätte sich gelohnt, sich auf eine so merkwürdige Reise einzulassen …


Steffi:
Bis auf "Das Gedankenexperiment" bewegen sich deine bisher veröffentlichten Werke im Thriller-Genre. Kann man behaupten, dass du dieses Genre für dich etabliert hast?

Jonas:
„Das Gedankenexperiment“ ist auch ein Thriller, würde ich sagen. Auf dem Buchdeckel steht zwar „Roman“, aber so eng kann man das nicht sehen. Das Buch ist spannend … es ist ein Thriller, würde ich sagen, und da sind sich, glaube ich, auch die meisten einig, die es gelesen haben. Gleichwohl war ich einverstanden, „Roman“ draufzuschreiben, weil ich dachte, dass ich Leser, die KEINE Thriller lesen, vielleicht abschrecke, wenn sie das Thriller-Etikett sehen, während „Das Gedankenexperiment“ durchaus ein Buch ist, das sich nicht nur an eingefleischte Thriller-Leser richtet. Es ist eher ein Versuch, mit den Mitteln des Thrillers von Dingen zu erzählen, die traditionellerweise nicht in den Thriller-Bereich fallen, also der Versuch sozusagen, die Grenzen des Thriller-Genres zu erweitern. Aber davon einmal abgesehen … das stimmt schon, es gibt etwas, das mich immer interessiert, in allen meinen Büchern gleichermaßen, und das ist mit dem Label Thriller ganz gut beschrieben. Der Thrill. Wenn man Gänsehaut bekommt. Ich habe das auch im Kino, in Filmen schon immer geliebt. Wenn es richtig SPANNEND war. Dann klebe ich an den Buchseiten, am Bildschirm, der Leinwand, dann vergesse ich alles um mich herum und gehe in gewisser Weise in der Geschichte auf. Und das ist beim Schreiben eigentlich genauso wie beim Lesen. Auch beim Schreiben, wenn es spannend ist, gehe ich in der Geschichte auf. Was genau das heißen soll – „in der Geschichte aufgehen“ - ich bin mir da nicht einmal sicher. Aber eben: Man vergisst alles um sich herum, versinkt in dieser fiktiven Welt, obwohl man nur seine Augen über ein paar Worte bewegt hat. Das ist schon fast magisch, das muss man sich nur mal vorstellen. Ein Wahnsinns-Akt der Autosuggestion oder so etwas. Aber ich finde es absolut großartig, wenn es gelingt und der Trick sozusagen klappt. Manche finden diesen Kick vielleicht beim Lesen von romantischen Geschichten oder historischen Geschichten oder Fantasy Sachen … bei mir ist es halt so, dass ich Thriller klasse finde. Wobei das nichts „Reines“ sozusagen sein muss, das berührt sich oder kann sich mit allen möglichen anderen Genres oder Schreibtechniken berühren. Mit Krimis und Horror sowieso, aber ein Thriller kann auch in der Vergangenheit spielen, es kann eine Liebesgeschichte im Zentrum stehen, das ist ja das Großartige am Schreiben: Alles was denkbar ist, kann man aufschreiben, da gibt es keine Grenzen und im Grunde genommen auch keine Schubladen. „Thriller“ ist ja auch so eine Schublade – und ich bin kein großer Fan von Schubladen. Aber spannend … wenn es spannend ist, finde ich das toll.


Steffi:
Hilft dir dein Studium in der Philosophie dabei Bücher zu schreiben?

Jonas:
Schwierige Frage. Das ist bei der Philosophie ja immer so, das macht sie so schrecklich anstrengend: Wenn man nur in ihre Nähe gerät, wird es schwierig. Philosophie ist wie ein schwarzes Loch. Je näher man herankommt, desto gefährlicher wird es … und deshalb lautet die Antwort auch: Eher nicht. Was ist gefährlich an Philosophie? Sie hat eine Tendenz, einen zu verwirren. Das könnte ich jetzt endlos ausbreiten, aber das würde sicher zu weit führen. Doch ich glaube, die Antwort ist die: Ein bisschen weniger Philosophie hätte mir das Schreiben vielleicht vereinfacht.


Steffi:
Dein Schreibstil ist sehr einprägsam. Hast du einen Autor/eine Autorin als Vorbild?

Jonas:
Hm. Na klar, es gibt sehr sehr viele Autoren, die einen sehr großen Einfluss auf mich hatten. Als Teenager habe ich vor allem die Sachen aus dem neunzehnten Jahrhundert gelesen, Dickens, Poe, Balzac, Stendal, die Russen, Stevenson und so weiter, diese Romane, in denen man sich komplett verlieren kann. Ich argwöhne ja immer ein bisschen, dass diese extrem ausgefeilte Romankunst des 19. Jahrhunderts durchs Aufkommen des Kinos und des Films in eine schwere Krise geraten ist, aus der sie sich erst seit ein paar Jahren, in denen das Kino vielleicht ein wenig an Attraktivität wieder eingebüßt hat, wieder erholt. Aber was ich sagen wollte: Später dann habe ich mehr die Sachen aus dem zwanzigsten Jahrhundert entdeckt, Döblin, die Manns, oder Chandler oder die Leute aus den sechziger Jahren, Burroughs, Kerouac, Bukowski … das sind wichtige Einflüsse gewesen. All diese Autoren habe ich aber gelesen noch ohne ernsthaft zu denken, dass ich selbst Romane schreiben will. Ich erinnere mich noch, dass der erste Autor, den ich bewusst gelesen habe um zu begreifen, wie er so ein Buch wirklich Wort für Wort, handwerklich, Satz für Satz GEBAUT hat, dass das Martin Suter war. Ich habe dann alle seine Bücher hintereinander weg gelesen und daraufhin mein erstes Buch „Davids letzter Film“ für dtv geschrieben. Dabei ging es aber nicht so sehr darum, wie man eine Geschichte inhaltlich zusammenfügt, sondern mehr um Fragen der sprachlichen Oberfläche. Es ging nicht darum, was man erzählt, sondern wie man darstellt – obwohl das natürlich auch zusammenhängt. Wie steigt man in ein Kapitel ein, wie ist die Satzstruktur und so weiter. Suters Sprache fand ich klar und gut. Und sie war / ist deutsch. Das war natürlich extrem wichtig. Das meiste was ich gelesen hatte, waren ja nicht-deutsche Autoren gewesen, Engländer, Franzosen, Russen, Amerikaner. Und wie die Übersetzer Sprache handhaben, ist noch mal etwas anderes als wie ein Autor es macht. Auch hier berühren wir eine Frage, über die man viel mehr sagen müsste, aber gut … (mein Eindruck ist, dass ich ohnehin bereits zu weitschweifig auf die Fragen geantwortet habe.) Nach Suter gab es dann vielleicht noch einen Autor, der mich sprachlich beeinflusst hat, und das war – wie könnte es anders sein – Stephen King, der Meister aus Maine. Was ich von ihm gelernt habe? Dass man mit dem Bauch schreiben muss, nicht mit dem Kopf (zumindest kommt es mir so vor, als hätte ich das von ihm gelernt).


Sehr tolle und ausführliche Antworten, die einen guten Einblick in Herrn Winners aktuelles Werk und ihn als Person geben. 

Nun kommen wir aber zum versprochenen Gewinnspiel! Ihr könnt ein Exemplar von "Die Zelle" gewinnen, wenn ihr mir mit einem Kommentar beantwortet, warum ihr unbedingt dieses Buch gewinnen müsst. Lasst euch ruhig etwas Kreatives einfallen! :D
Kommentieren und gewinnen könnt ihr bis einschließlich 02.06.2016.


Gewinnspielbedingungen:
1. Die Teilnahme ist von diesem Zeitpunkt an bis zum 02.06.2016, 23:59 Uhr möglich.
2. Für die Teilnahme muss man volljährig sein, oder das Einverständnis seiner Eltern besitzen.
3. Der Wohnort muss innerhalb Deutschlands liegen.
4. Die Teilnahme ist nur durch Abgabe eines Kommentars mit der Beantwortung der Frage möglich. 
5. Den Gewinner ermittle ich per Losverfahren und gebe ihn am 03.06.2016 bekannt.
6. Der Rechtsweg und die Barauszahlung des Gewinns ist ausgeschlossen.
7. Persönliche Daten werden nur für das Gewinnspiel verwendet und anschließend gelöscht.
8. Die Haftung für den Versand des Buches wird nicht übernommen.



Kommentare:

  1. Hallo,
    erst einmal vielen Dank für das interessante Interview. Am besten gefiel mir die Aussage, die Psyche des Täters sei die Seele des Buches. Herrlich ausgedrückt!
    In den Roman habe ich bereits reingelesen - nur ansatzweise kann ich mir vorstellen, wie sich ein Kind fühlen muss, dass seinen Vater einer Greueltat beschuldigt.
    Bekommen muss ich das Buch ganz einfach aus dem Grund, dass ich kommende Woche Geburtstag habe (juhuu!), und was gibt es Schöneres, als Bücher geschenkt zu bekommen?! ;-)
    Ganz liebe Grüße -wink-

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    1. Hallo,

      ja, die Aussage ist wirklich gut. Und sie stimmt ja auch!
      Herr Winner bringt auf jeden Fall sehr gut rüber, wie der arme Sammy sich mit den Verdächtigungen gegen seinen Vater fühlt. Es ist sehr bedrückend.

      Dann wünsche ich dir jetzt schon einmal einen schönen Geburtstag! :)

      Lieben Gruß
      Steffi

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  2. Hallo liebe Stefanie,

    die Ankündigung zu diesem Autoren hat mich als Leserin ja schon neugierig gemacht. Denn Davids letzer Film habe ich ja schon selber gelesen und der Mann hat echt was drauf, für meinen Geschmack

    Und ich muss sagen..klasse gemacht!!

    Danke dafür.

    Gerne würde ich meine Schiemu auch von diesem Autoren lesemäßig überzeugen. Deshalb versuche ich gerne her und jetzt mein Glück. Zumal sie es gerne sehr, sehr Psycho mag....

    O.K. auch sie hat demnächst Geburtstag... 5.6.2016....Und mein Schwieva darf dann auch, aber erst in 2.Hand dann die Bücher auch lesen...Ehepaar mit dem gleichen Lesegeschmack sage ich nur.

    Guten Start ins Wochenende..LG..Karin...

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    1. Hallo Karin,

      ja, Jonas hat wirklich was drauf! Da stimme ich dir zu.

      Ach na das wäre doch ein tolles Geschenk für deine Schwiegermutti, vor allem, wenn sie Psychobücher mag. :) Und ein Ehepaar mit dem gleichen Lesegeschmack - ich wünschte bei mir und meinem Mann wäre das so. ;-)

      LG Steffi

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  3. Hallo Stefanie,
    also erstmals vielen, vielen Dank für das Interview. Also was Du da alles aus ihm rausgelockt hast war wirklich interessant.
    Und gleich nochmal ein Danke hinterher, daß Du es ermöglichst dieses tolle Buch zu gewinnen. Auf meiner WL steht es ja schon und vielleicht habe ich ja die Chance es nun auch zu gewinnen.
    Der Grund weshalb ich es unbedingt haben muss? Ganz einfach - weil ich es haben muss *g* Thriller deren Hauptaugenmerk auf der Pathopsychologie des Täters liegt sind schon eine Kunst für sich. Und wenn ein Buch einem dann auch noch eine Gänsehaut und mulmiges Gefühl bescherrt und man es aber trotzdem nicht und nicht aus der Hand legen kann weil es so spannend ist - tja, dann ist es perfekt. So ein Buch ist mir nur leider schon lange nicht mehr untergekommen, aber hier wittere ich die Gänsehaut schon von Weitem *g*.
    Also hühüpf ich in den Lostopf und hoffe auf ein bissl Glück.

    Liebe Grüße aus Wien

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    1. Hallo Amber,

      das hast du aber schön erklärt. :D Ich bin überzeugt, dass das Buch dann genau das Richtige für dich ist.

      Liebe Grüße
      Steffi

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  4. Hallo!
    Ich möchte das Buch unbedingt gewinnen, weil es schon eine ganze Weile auf meiner Wunschliste steht. Der Klappentext und die Leseprobe sind einfach schon unglaublich spannend!
    Daher versuche ich hier sehr gern mein Glück!
    Liebe Grüße,
    Svenja S.

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  5. Hallo Stefanie,

    vielen Dank für das interessante Interview, auf das ich gerade eigentlich nur durch Zufall bei der Recherche nach dem neuen Werk von Jonas Winner gestoßen bin! Warum ich es sehr gerne gewinnen würde? Ich habe seine letzten Bücher verschlungen (Berlin Gothic hat mir sogar mal einen verregneten Urlaub gerettet... :)) und als ich bemerkt habe, dass es nun wieder neuen Lesestoff von ihm gibt, hat sich bei mir gleich Gänsehaut eingestellt. Du würdest mir eine große Freude machen (und dafür sorgen, dass auch zukünftige Urlaube nie "ins Wasser fallen")!

    Viele Grüße, auch an alle anderen begeisterten Leser des Autors!

    Conny

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    1. Hallo Conny,

      das freut mich, dass du eines seiner Werke bereits kennst und es dir gefallen hat. :) Gänsehaut ist bei "Die Zelle" auf jeden Fall garantiert.

      Viele Grüße
      Steffi

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  6. Sonst darf ich nur Kinderbücher vorlesen, drum würde ich gerne dias Buch gewinnen.

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    1. Hallo Jörn,

      vom Kinderbuch zum Thriller ist es aber ein großer Schritt. Hihi Aber ich kann verstehen, dass man mal "rauskommen" will. ;-)

      Viele Grüße
      Steffi

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  7. Warum ich unbedingt dieses Buch gewinnen muss?
    Weil ich es jetzt schon sooo oft sooo positiv besprochen gesehen habe, dass ich schon ganz neidisch auf all die anderen Leser bin. ^^'

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  8. Warum ich dieses Buch UNBEDINGT lesen möchte? Na ja, vielleicht liegt's am Cover? Oder am Titel? Oder am Klappentext? Ich würde sagen, es liegt an all den aufgezeigten Punkten.
    Irgendwie fasziniert mich die Story total, so dass ich unbedingt mehr wissen möchte.
    Und genau aus den besagten Gründen bringe ich nun in das Lostöpfchen.

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  9. Hallo,

    ich lese sehr gern Thriller und dieser klingt wirklich sehr spannend. Auch das Interview war sehr interessant und die Fragen so ausführlich beantwortet, dass es ja auch schon fast ein Roman war. :)

    LG
    SaBine

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  10. Hallo,
    das Buch hört sich sehr gut an.
    Ich habe das Buch schon sehr lange auf meiner Wunschliste.
    Es hört sich einfach sooo spannend an, man ist schon von Klappentext total gefesselt.
    Ich würde mich so sehr über dieses Buch freuen.

    LG, Ira
    (irisch1094@gmail.com)

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  11. Hallo ,

    Vielen Dank für den tollen und interessanten Beitrag.
    Ich würde dieses Buch gern gewinnen weil dieses sicher
    spannend und interessant ist und auch noch aus der Sicht eines Kindes erzählt wird. Ich springe gern in den Lostopf.

    Liebe Grüße Margareta Gebhardt
    margareta.gebhardt@gmx.de

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Ich freue mich über eure Kommentare!

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