Mittwoch, 18. Mai 2016

[Rezension] F. R. Tallis - Das Haus der bösen Träume

"In Wahrheit entschieden biologische Gegebenheiten über Erfolg und Misserfolg, nicht Genialität oder Disziplin." Zitat S. 57

Suffolk, 1950er Jahre: Der junge Psychiater James Richardson tritt eine Stelle in Wyldehope Hall an, einer Privatanstalt unter der Leitung des renommierten Professor Maitland. Weitgehend allein bleibt ihm die Führung der Klinik überlassen; u.a. die Betreuung einer besonderen Station im Kellergewölbe des alten Hauses. Dort sind sechs Patientinnen in einen künstlichen Dauerschlaf versetzt – laut Maitland eine neuartige Behandlung ihrer psychischen Störung. Doch dann kommt eine junge Nachtschwester zu Tode, kurz nachdem sie in panischer Angst aus dem Keller floh. Richardson beschleichen Zweifel…



Psychiatrische Anstalten passen seit jeher sehr gut in unheimliche und gruselige Geschichten. F. R. Tallis hat sich diese Grundidee zunutze gemacht und in dieses Buch gepackt. Da er Psychologe ist, kennt er sich in vielen Fachgebieten der Psychologie gut aus und verknüpft dies gekonnt mit der Geschichte um James Richardson.
Eingebettet in die authentische Darstellung der 1950er Jahre wird das Buch zu einem schaurig schönen Lesevergnügen. Überdies wird man als Leser fast sofort mit gruseligen Erscheinungen konfrontiert. Dabei sind die Begegnungen mit dem Unheimlichen gering, fast unbedeutend und werden nach und nach eingestreut, damit sich die beklemmende Stimmung langsam im Leser ausbreiten kann.



Der Hauptcharakter James Richardson wird in der psychiatrischen Anstalt Wyldehope Hall angestellt, um sich neben den üblichen Tagesgeschäften auch um die 6 Schlafpatientinnen zu kümmern, die im Keller der Einrichtung behandelt werden. Ehrfürchtig tritt er seine Stelle an und begegnet seinem Vorgesetzten und Leiter der Anstalt Hugh Maitland mit Respekt. 
Aus den Augen von James erleben wir das Alltagsleben einer Anstalt und auch - so soll es in diesem Buch ja sein - übernatürliche Ereignisse. Sachlich und nüchtern stellt er seine paranormalen Sichtungen fest und analysiert diese ganz trocken, wie ein Psychologe dies eben tun würde. Sein gesamtes Erscheinungsbild ist steif und irgendwie fade, aber nicht im negativen Sinne. Es passt einfach zu ihm und zu der Geschichte. 
Alle Charaktere sind oberflächlich dargestellt, auch bei James geht der Autor nicht wirklich in die Tiefe. Das stört aber überhaupt nicht - im Gegenteil: der außenstehende Betrachter zu sein, erscheint hier einfach viel passender .



Herr Tallis unterteilt das Buch in James' Erzählungen und in Briefe anderer Psychiater an Dr. Maitland. Die Briefe beschreiben Werdegang und Krankheiten der Schlafpatientinnen, die derzeit in Wyldehope in Behandlung sind. Der tiefere Sinn der Briefe erschließt sich erst zum Schluss.
Der Schreibstil des Autors ist klar und geradlinig und man kann dem Geschehen überaus flüssig folgen. Die 50er Jahre bildet Herr Tallis in den Dialogen und Umgebungsbeschreibungen glaubwürdig ab.
Die Gruselmomente sind nur vereinzelt und unauffällig in die Story eingebaut, ansonsten bietet der Inhalt nicht viele spannende Elemente. Dennoch erschafft der Autor mit seiner mitreißenden Schreibweise einen Sog, der einen dazu zwingt weiterzulesen. Die Anstalt, die Umgebung, die Personen und Handlungen sind so anziehend beschrieben, dass man regelrecht darin versinken mag.



Das Ende bietet eine Wendung, mit der ich eigentlich im Laufe des gesamten Buches gerechnet habe. Dennoch kam sie für mich überraschend - so komisch das auch klingen mag. :) Sie passte einfach super hinein und gab den ein oder anderen Aha-Effekt.



Die Geschichte ist klar und flüssig erzählt und schafft mit ihren schaurigen Gruselmomenten und der authentischen Darstellung von Raum und Zeit ein einzigartiges Lesevergnügen.
4 1/2 von 5 Isis'



Ich bedanke mich ganz herzlich beim btb Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.





Kommentare:

  1. Hi Steffi! :-)
    Du hast das Buch ja auch gelesen! TOLL! ich mochte es auch sehr gerne und mit dem Ende habe ich auch irgendwie gerechnet, es war für meinen Geschmack dann aber zu typisch für das Genre! Trotzdem fand ich das Buch aber absolut toll!

    Liebe grüsse
    Jessi

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    1. Huhu Jessi :D
      Ja, das Ende passte eigentlich gut rein. Insgesamt hat mich das Buch echt überzeugt. Von dem Autor ist gleich das nächste Buch auf Wunschliste gewandert. :D

      Lieben Gruß
      Steffi

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  2. Lustigerweiße habe ich das Buch erst gestern im Hugendubel gesehen und fand den Titel schon äußerst interessant. Gerade Gruselgeschichten mag ich ja sehr gerne und möchte somit vermehrt Bücher dieser Art lesen. Auch das das ganze in den 50er Jahren spielt passt für mich perfekt, gerade in diesen Zeiten gab es ja auch viele angebliche übernatürliche Sichtungen und man die Menschen glaubten mehr an solche Geschichten, als heute. Deine Kritik macht mich somit wirklch neugierg.

    Übrigens bleibe ich dir gleich mal als Leserin erhalten, denn wir haben echt den gleichen Buchgeschmack.

    Danke auch für dein zweites liebes Kommentar.
    Das es die deutschen Dvds erst so spät gibt, habe ich auch schon öfter gehört. Hat aber glaube ich etwas mit der Ausstrahlung im Fernsehen zu tun, denn meistens gibt es die deutschen Dvd Versionen, erst nachdem die Serie im Fernsehen gelaufen ist und da man da ja doch etwas hinterherhängt, tut man es scheinbar auch mit den Dvds. Ich persönlich verfolge die Serie ja deshalb auf Englisch, wobei ich gerade eine Pause eingelegt habe. Mittlerweile sind es mir schon zu viele Staffeln und viele der Thematiken wiederholen sich einfach. Mal schauen, vielleicht mach ich im Sommer mit der zehnten Staffel weiter. Gerade die elfte wurde ja wieder sehr gelobt, was mich als Fan der Serie, dann ja doch wieder neugierig macht. Aber generell würde ich mir ja endlich mal ein Ende wünschen.

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Ich freue mich über eure Kommentare!

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